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Sententia
Buchingers Buchnotizen
von Joachim Zischke


Gesammelte Notizen von A bis Z

Bücher umstellen die Menschen, und diese umschleichen die Regale. Wer hält hier wen in Schach?
— Ulrich Johannes Schneider

Aktien — Wenn das Buch das Aktienpaket des Autors ist, dann ist der Buchmarkt die Börse, an dem er es platziert.

Algorithmen — Nachdem das erste algorithmisch generierte Sachbuch – abstract compendium – veröffentlicht wurde, wie viele ähnlich produzierte Bücher von dem Maschinenautor »Beta Writer« sind noch zu erwarten? Produktivität und Qualität ad infinitum – vielleicht, aber Lesefreude?

Argument — Warum bemühen viele Autoren, die über ein Sachthema reflektieren, regelmäßig andere Autoren und deren Sicht der Dinge als Argumentationskonstrukte für ihren Blickwinkel? Haben sie denn keine eigene Gedankenfülle, aus der sie schöpfen können?

Alter — Die nicht unwichtige Frage lautet, welches Alter eines Schriftstellers das richtige ist, von da an er »sehr zurückgezogen« oder »vollständig aus der Öffentlichkeit zurückgezogen« leben sollte.

Barthes — An Roland Barthes erinnernd: Die Summe der möglichen Interpretationen macht die Summe der möglichen Bedeutungen eines Werks aus. Darüber sollte man gerne trefflich diskutieren.

Beobachter — Der heutige Buchkritiker schreibt keine Buchkritik, er beschreibt als teilnehmender Beobachter den Buchmarkt, sonst nichts.

Bestseller — Bestseller sind Schnelldreher. Kein Wunder, dass so manchem Autor und Verleger schwindlig wird.

Boden — Ich frage mich, wie jemand, der auf den Schultern derjenigen sitzt, denen er den Boden unter den Füßen wegziehen will, heil herunterkommen will.

Buchkritik — Die Sentenz »Buchkritik ist Kulturkritik« verstehe ich nicht. Wer kritisiert hier wen: der Kritiker das Buch oder das Buch die Kultur oder der Kritiker die Kultur oder die Kultur das Buch?

Buchmacher — Ich frage mich, warum einer, der Bücher macht, nicht Buchmacher heißt, sondern nur derjenige, der Wetten vermittelt – nicht auf Bücher, sondern auf Pferde, und nicht in Büchern, sondern auf Tafeln.

Es gibt zu viele Buchkritiker. Was uns wirklich fehlt sind Leserkritiker.

Buchpreis — Bekommt nur einen Buchpreis, wer über die nationale Vergangenheit politische oder religionsspezifische Erzählungen schreibt?

Buchtitel — Der Autor sollte unbedingt auf den richtigen Titel achten. Eines meiner Bücher wurde vom Buchhandel unter »Landwirtschaft« einsortiert, obwohl es sich um Kreativität handelte. Dumm gelaufen.

Chancen — Für einen Autor bieten sich meist zwei Arten von Chancen: die erste, einen Gedanken oder eine Idee beliebig lang und intensiv zu verfolgen, und die zweite, diese Gedanken gesammelt in Buchform dem Vergessen zu entreißen.

Daten sind nicht Information, und Information ist nicht Wissen.

Denken — Wenn Sie nur die Bücher lesen, die jeder liest, können Sie auch nur denken wie jeder andere denkt. — Nagasawa alias Haruki Murakami

Digitalisierung — Die Digitalisierung bietet keine Lösung für das Problem, wie wir bessere, sorgfältiger gestaltete Texte in die Bücher bekommen.

Dummheit — Eine Nachricht ist selten eine gesicherte Information, meist ist sie Vermutung und diese wiederum das Resultat von Angst, Feigheit, Bestechlichkeit, Gleichgültigkeit, Faulheit und Dummheit.

Entdeckungen — Relektüren sind die beste Methode, neue fruchtbare Entdeckungen zu machen. Denn das lesende Selbst tritt in einen Dialog mit dem früheren der Erstlektüre, was die Entwicklung des eigenen Denkens plastisch vor Augen führt.

Erfahrung — In jungen Jahren habe ich lebendig, fesselnd und konkret geschrieben. Heute, nach Jahren der akademischen Praxis, beherrsche ich die Kunst der Passivität, Unklarheit und Ablenkung.

Ergebnis — Das Problem beim Lesen eines Buches ist, dass man am Ende kein vorzeigbares Ergebnis in Händen hält.

Erzählung — Vieles, das heute geschieht, bezeichnen wir als »Erzählung«. Erzählung bedeute »Story«, eine ungewöhnliche Geschichte, die sich so zugetragen haben soll. – Ist unser Leben einfach eine Story? Und was könnte an ihm ungewöhnlich sein?

Feinde — Diese Leute verdienen daran, dass ich ein Buch schreibe: Agent, Buchhandel, Designer, Distributor, Drucker, Finanzamt, Gestalter, Grafiker, Grossist, ISBN-Agentur, Lektor, Paketdienst, Papierhandel, Schriftsetzer, Typograf, Verlag, VG-Wort.

Fiktionalität — Fiktionalität ist ein Status, der zwischen Autor und Leser im Sinne eines »Fiktionsvertrags« (Umberto Eco) ausgehandelt werden muss bzw. durch das Publikationsmedium bestimmt wird. Literatur unterliegt nicht automatisch einer Fiktionsvermutung.

Fingerhut — Man kann auch mit einem einzigen Buch reich werden. Doch sollte man mal durchzählen: Wie viele Autoren haben das letztes Jahr erreicht? Bestimmt kein Fingerhut voll. Merke daher: Ein erfolgreiches Buch ist so selten wie ein Lottogewinn in den oberen Rängen.

Fliegen — Im Gegensatz zur Kirschessigfliege ist die Worthülsenfruchtfliege geschmacklos, so dass sie in einem typischen deutschen Buchkompott nicht auffällt.

Gegenwartsliteratur — Gegenwartsliteratur ist Konformitätsliteratur: konform mit Agenten, Lektoren, Verlagen, Händlern und Lesern.

Gestell — Ich frage mich, ob ich den Essay Das Handy und die Zuhandenheit des Virtuellen überhaupt lesen kann, lesen im Sinne von Verstehen. Ich vermute, dass dem Autor beim Niederschreiben seines vorstellenden Denkens das »Gestell« zerbrochen ist.

Get a copy — Bücher sind nur Kopien, niemals Originale.

Grenzen — Die genuine Aufgabe von Literatur ist es, ästhetische und moralische Grenzen zu überschreiten, Tabus zu verletzen und, als Ausdruck einer prinzipiellen Freiheit und Autonomie der Kunst, zu provozieren. Doch das alles ist eine geradezu utopische Mission.

Haltung ist kein Garant für Handlung.

Hashtag — Ich folge partout nicht dem Diktat irgendeines Hashtags. Ich will mir weder das Etikett eines Index’ noch einer Parole an- oder umhängen lassen – ausgenommen das eigene.

Hinterfragen — Alles darf und soll hinterfragt werden, auch und vor allem das Hinterfragen selbst.

Hype — Die Lesbarkeit eines Buches ist weder eine Bedingung für den literarischen noch für den wirtschaftlichen Erfolg. Erfolg ist, wie so oft in unserer merkantilen Welt, eine Frage des Hypes.

Kaffeehaus — Eine Buchhandlung mit Kaffee und Kuchen und heißen Würstchen ist noch kein Kaffeehaus. Die Literaten fehlen.

Klappentext — Es wundert mich schon, weshalb so viele Buchleser einem Klappentext blindlings vertrauen, wenngleich man doch wissen könnte, dass der Klappentext nicht etwa eine direkte Buch-Leser-Kommunikation, Buchkritik oder Buchinhaltsangabe, sondern nichts anderes als eine Buch-Kauf-Animation ist.

Kopf — Schreiben können bedeutet einen Gedanken in einen anderen Kopf bringen, so dass sich dort ein neuer Gedanke entwickelt. Das ist keine triviale Aufgabe.

Kritik — Ich finde es schade, dass heute keine Buchkritik mehr mit den Worten »Mir ist das Buch psychosomatisch schlecht bekommen« beginnen darf. Wir sind zu zivilisiert, zu rationalisiert, zu semantisiert.

Kultur — Buchkritik ist eine dominante, allerdings uneinheitliche Kultur, in der das Denken, sein Entfalten und das Kommunizieren nur im und mit dem Buch stattfindet.

Kunstobjekt — Ich bin von der Idee begeistert, Bücher wie Kunstobjekte als Unikate zu produzieren und sie nur einem potenten Publikum stundenweise zum Lesen zu überlassen. Das bedeutet wenigstens das Ende von Raubkopien. Das Ende der Dummheit ist hingegen fraglich.

Ein Buch soll keine anderen Bücher verhindern. Es soll sie höchstens in den Schatten stellen.

Länge — Ich habe bis heute immer ganze Bücher gelesen, wenngleich ich die kürzeren den längeren vorziehe. Bekanntlich gibt es derzeit keine halben, viertel oder achtel Bücher, die man kaufen könnte.

Latein — Wir sollten mehr in lateinischer Sprache schreiben und lesen, denn im Lateinischen wird nicht gegendert. In dubio pro autorem – das klingt doch richtig angenehm und unverdächtig.

Leben — Mich faszinieren Buchkonzepte, die im Titel die Wörter »Kunst«, »Leben« und »Erfolg« führen und immer wieder Verlage finden, obgleich bekannt sein müsste, dass der Trick des glücklichen Lebens seit Platon gesucht, doch nie gefunden wurde.

Leseende — Wie könnte man den Moment benennen, da man ein Buch zu Ende gelesen hat, der letzte Satz noch im Geiste verharrt und eine blitzkurze Reflexion Freude und Zustimmen oder Enttäuschung und Ablehnung ausdrückt?

Leser — Ob der implizierte oder implizite, der intendierte, der abstrakte, der gebildete oder ungebildete oder auch der Modell-Leser bei allen Unterschieden –, ob wirklich alle das gleiche Buch lesen, da sie doch alle schlicht Textadressate sind, das ist die große Frage.

Das generelle Problem mit Büchern ist, dass man einem Buch keine Rückfragen stellen kann.

Liessmann — Auf die Frage des Professors Liessmann, ob man sich manche Gedanken selbst verbieten müsse, wenn die Gefahr bestehe, dass sie in falsche Hände geraten könnten, antwortete ich: Überhaupt nicht. Man könne einfach schweigen. Da sei ja derzeit noch erlaubt.

Literatur — Literatur erscheint mir als das Wiederholen des immer Gleichen: Metaphorik, Melodramatik, Symbolik. Das ermüdet.

Literaturpreis — Sind Literaturpreise tatsächlich Anerkennungs-, Förder-, Aufmerksamkeits-, Zeitgeschichts-, Relevanz- und Nischen- oder einfach nur schnöde Geldpreise?

Lösung — In Büchern wird immer häufiger der Status quo kritisiert, ohne den Hauch einer echten Lösung aufzuzeigen. Darüber schweigen sich die Autoren aus. So berechtigt und engagiert ein derartiges Buch auch sein mag, so ratlos lässt es den Lesenden zurück.

Luhmann — Ich überlege noch, ob ich, da Luhmanns Zettelkasten nun online verfügbar ist, meine bereits digital vorliegenden Zettel auch online stellen sollte. Ich halte jedoch nicht viel von der Idee, da ich nur auf läppisch geringe 7000 Zettel komme.

Medium — Der Mensch braucht stets ein Medium, um sich der Funktionsweise seines Kopfes zu vergewissern: Atlanten, Bilder, Noten, Zettel – und manchmal eben auch Bücher.

Meinung — Wer nicht mehr als Meinungen vorzuweisen hat, sollte sich nicht als Experte benennen lassen.

Meinungsfreiheit — Die digitale, urheberrechtlich konzedierte Meinungsfreiheit ist ab sofort kostenpflichtig, weil gerichtsabhängig geworden.

Misstrauen — Generell misstraue ich den Medienberichten; ich kann ihren Wahrheitsgehalt nicht mehr überprüfen. Mit erscheint das tagtägliche Geschreibsel zunehmend als Propaganda. Das Gesehenhabenwollen und Dabeigewesensein zeigen nicht das Faktische, sondern eine Fiktion.

Nachrichten — Ich frage mich, wie eine bundesweit agierende Nachrichtenagentur, deren Gesellschafter 180 Medienunternehmen sind, unabhängig, unparteiisch und objektiv sein kann, wenn es keinerlei Kontrollinstanz von außerhalb gibt.

Nachruf — Die Aufforderung »Schreiben Sie Ihren Nachruf, bevor es andere tun«, sollte, um unsterblich zu werden, um »und Ihre Trauerrede gleich mit« ergänzt werden.

Öffnen — Wir sollten erkennen, dass wir die Bücher, die wir öffnen, auch wieder schließen müssen.

Problem — Einen Weg, um zu einer Lösung zu kommen, finde ich in Büchern immer seltener. Es geht doch darum: Die Ursache reflektieren, nicht das Problem in Frage stellen.

Projekt — Ein Buch zu schreiben ist kein Spaziergang, es ist ein richtiges Projekt. Wer nicht weiß, wie ein Buchprojekt funktioniert, sollte jemand fragen, der sich damit auskennt. Und nicht schon mal anfangen.

Qualität — Versteht ein Kritiker ein Buch nicht, so beschreibt er es mit dem Qualitätsmerkmal »gewagt«, »provokativ« oder »komplex«. Der Autor reagiert darauf mit den Worten: »Sie haben den Sinn nicht verstanden«, was den Fokus vom Autor auf des Lesers Intellekt richtet.

Rache — Ich habe jetzt festgestellt, dass James Joyce den Ulysses nicht wegen der Literatur, sondern aufgrund seiner persönlichen Rache schrieb.

Ratgeberbücher — Immer mehr Ratgeberbücher erscheinen. Die Fragen nehmen zu, nicht jedoch die Antworten.

Redaktion — Was macht eine Meinungsredaktion denn so? Erfindet, entwirft, gestaltet, redigiert, kritisiert, ja, schreibt sie Meinungen, auch wenn dann die namentlich gekennzeichneten Artikel eben nicht die Meinung der Redaktion wiedergeben?

Reflexion — Sollte man Literatur als öffentliche Orientierung, als kultische Praxis, als eine Art künstlerischer Reflexionsraum der eigenen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten verstehen?

Rezensionen — Ich glaube, viele Buchblogger schreiben deshalb so euphorisch über Neuerscheinungen, weil sie die Bücher als Rezensionsexemplare gratis erhalten. Gekaufte Bücher liest man kritischer – bereits vor, erst recht nach dem Kauf.

Roman — Es gibt keine ehrlichen Romane. Wer wollte die auch lesen.

Sachbuch — Ein Sachbuch sollte Lesewege offerieren: privilegierte Verbindungen zwischen den dargestellten Begriffen. Dadurch wird die enge Interdependenz zwischen bestimmten Begriffen betont und der Künstlichkeit der Stichwort-Trennung begegnet.

Schickt die Kritiker endlich nach Hause!

Satzbau — Satzbau ist Architektur, wie Schopenhauer sagte. Allerdings nicht barocke, hypotaktische oder vierdimensionale Konstruktionen. Ich meine Sätze elegant wie algebraische Formeln.

Schlüsselwörter — Zu den unausgesprochenen Schlüsselwörtern des heutigen Journalismus gehören »unterlassen« und »verschweigen«. Das Aufklären hat ausgedient.

Schreiben — Ich frage mich, ob eine Buchkritik, die in einer Zeitung veröffentlicht wurde, einen Autor jemals veranlasste, die Art, wie er schreibt, bewusst in irgendeiner Weise zu verändern.

Schreiben — Schreiben können bedeutet: erklären, formulieren, illustrieren, führen, begründen, reflektieren, präzisieren, plaudern, unterhalten. Und nicht nur Seiten füllen.

Selfpublishing — Ein Buch ist perfekt für Image, Renommee und Reputation. Man wird Sie bewundern, ob Ihrer Expertise und Ihrem Können. Vielleicht wird man Sie sogar auszeichnen und bejubeln. Nur: Selfpublishen, das dürfen Sie nie und nimmer.

Shakespeare — So manches neu erschienene Buch über Shakespeare wird als Kulturgeschichte versprochen, am Ende als Rezeptionsgeschichte geliefert. Immerhin Geschichte. Ohne Narrativ geht ja heute gar nichts mehr.

Es ist schon ein Unterschied, ob ein Buch als lesefreundlich oder leserfreundlich eingestuft wird.

Sterne — Sagen wir es offen: Autoren mit weniger als vier amazonschen Sternen sind so gut wie tot, während sie beim Buchhändler um die Ecke quicklebendig auf den Büchertischen umherspringen.

Stundenlohn — Machen Sie gerne selbst die Rechnung: Der Stundenlohn eines Autors liegt bei 1,07 €. Mehr gibt es nicht. Das ist der Marktpreis. Recherchieren, reisen, interviewen, Literatur lesen, Seminare besuchen, … Das sollten Sie – als ambitionierter Autor – unter »Mein Weg zum Ziel« verbuchen.

Tage — Seltsam: Wenn die Tage wieder länger werden, werden die Sätze kürzer.

Tagebuch — Wer tagebuchartig Notizen verfasst, ist von der Begründungspflicht befreit und kann schreiben, was ihm durch den Kopf geht.

Tee — Ich lege zwischen die Buchseiten meiner aktuellen Leseexemplare gerne ausgemusterte, mit dem Text korrespondierende Teekuverte, so dass mir beim Aufschlagen durch eine retroaktive suggestion d’odeur der Inhalt sofort gegenwärtigt ist.

Telegramm — Ach, Telegramme! Freuen oder fuerchten stop zu teuer stop Nur Telegrammstil stop Grammatik fraglich stop Entlastung vom Absoluten ende.

Terminal Hotel — Ist das noch eine Tautologie oder schon das Zömeterium?

Todestag — Ich frage mich, wer denn in Wirklichkeit feiert, wenn wieder einmal vom 250. Geburtstag oder Todestag irgendeines Künstlers, Dichters oder Wissenschaftlers berichtet wird. Feieb denn nicht allein die konsumistisch orientierten Lobpreiser?

Träume — Wir brauchen nicht noch mehr Träume. Wir brauchen Realitäten.

Tweet — Im Zeitalter von Tweets sollte es nicht das Schicksal von Büchern sein, tweetartig zu werden. Das Buch muss sichtbar abseits über den Tweets stehen.

Umsetzung — Brauchen wir wirklich immer mehr Bücher? Die Frage ist doch, wie wir mit den uns vorliegenden umfangreichen Ergebnissen umgehen, wie wir sie interpretieren und konkret umsetzen.

Urheberrecht — Die europäische Urheberrechtsreform bringt wieder nicht den Urhebern, sondern nur den Verwertern Geld ein. Das Recht begünstigt den, der das Verwertungsrecht besitzt; den, der die Arbeit macht, schickt es in die Wüste.

Vers — Allzu frei, ohne Reim und Metrum, leidet der Vers des ungebundenen Gedichts, so ist zu befürchten, allzu leicht an Sinnverlust, und seine Gestalt dient nur noch der Funktion, haltlos und zeitgeistig.

Verwertung — Verwertungsgesellschaft ist nur ein schöneres Wort für Metzgerei. Die Tätigkeit bleibt die gleiche. Der Autor bleibt das arme Schwein.

Verzeichnis — Bücher sollten zwingend ein Gedankenverzeichnis führen, so dass man sogleich sowohl die Herkunft als auch die Urheber der behandelten Ideen erkennt.

Viellesen — Ist das Viellesen, das ich bei zahlreichen Zeitgenossen beobachte, nicht das Erkennungsmerkmal des Strebers aus Jugendtagen? Verhaltensauffällig erscheint es mir allemal.

Ware — Ein Autor sollte sich früh klarmachen, dass sein Buch kein Werk, sondern eine Ware ist. Gängiger Ladenpreis: 19,99 €. Das klingt nicht nach Arbeit, sondern eher nach Schnäppchen. Und so sieht es der Markt auch.

Werkzeug — Die Frage, ob das Buch irgendwann einmal als ungeeignetes Werkzeug für Erkenntnis, als umständlicher Wissensspeicher und vor allem als haptisch und visuell unattraktiver Gegenstand angesehen wird, wäre noch zu beantworten.

Wunsch — So wie ein Wunsch – im Gegensatz zu Wünschen – nicht zählbar ist, kann man die Wirkung einer Idee oder eines Essays nicht quantitativ messen. Alles Zahlengerede ist daher nutzlos.

Zeit —Bücher haben Zeit. Ein Roman kann Jahrzehnte in einer Bücherthek warten, bis ein Leser nach ihm greift.

Zenit — Ein Autor, der von sich sagt, er hätte vor allem den Wunsch, unverständlich zu sein, hat den Zenit seines Schaffens schon überschritten – oder wird ihn nie erreichen.

Otium
Arvo Pärt
Spiegel im Spiegel for Cello & Piano
Jürgen Kruse & Sebastian Klinger