Fragen zu Wirtschaft und Technik
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Was wurde von der überkommenen Mobilität zu Fuß – namentlich der Handwerker, Vaganten, Pilger – aufgenommen? Wie wirkten Traditionen und Innovationen zusammen? Was blieb von der ursprünglichen Traditionalität erhalten?
— Wolfgang Albrecht und Hans-Joachim Kertscher, Wanderzwang – Wanderlust

806 Warum reisen wir überall hin? Reisen wir, um die immer seltener werdenden Menschen zu treffen, die an ihrem Ort bleiben und nicht reisen? Reisen Sie? Wohin reisen Sie? Warum saß der eine Mann im Zug immer in Fahrtrichtung, mit dem Blick in die Zukunft? Muss man nach New York fliegen, um sich in den Häuserblocks von 7th Street oder 13th Avenue zu verirren, die alle gleich aussehen, wenn Mannheim völlig ausreicht, um Q1, 11 nicht zu finden, weil man vergessen hat, dass das Planquadrat F1 dem Quadrat Q1 gegenüberliegt? Wenn Sie sagen: »Ich habe Paris gesehen«, können Sie dann behaupten, dass Sie ein Bild von dieser Stadt haben, das alle ihre Straßen und Häuser in ihrer tatsächlichen und realen Gestalt genau wiedergibt? Selbst wenn wir viele Daten und Fakten über einen Ort aus Büchern gelernt haben, haben wir diesen Ort dann auch gefühlt? Welche Gefühle bleiben, wenn wir einen Ort einmal besucht haben? Könnte es sein, dass originale Ortsgefühle uns helfen, die Welt ein wenig besser zu verstehen? Wenn so viele Bürger für ein Tempolimit sind, warum fahren sie dann nicht einfach langsamer? Brauchen wir wirklich eine staatliche Regelung oder glauben Sie, dass man den Bürgern unbedingt etwas verbieten muss, was sie selbst für sinnvoll halten? Wenn viele Menschen für ein Tempolimit sind, sich aber selbst nicht daran halten – wie wichtig ist ihnen das Thema dann wirklich? Ist Ihnen bewusst, dass Sie heute in einer Großstadt ohne Parkplatz nicht aus dem Auto aussteigen können? Wer sagte, dass es im Leben um den Weg und nicht um das Ziel geht? Musste er jemals einen Parkplatz suchen? Das Denken über das Einparken scheint sich im Reptilienkortex abzuspielen, dem primitivsten Teil des Gehirns, von dem man sagt, dass er instinktives Verhalten steuert, das mit Aggression, Dominanz, Territorialität und ritueller Zurschaustellung zu tun hat, denn wie sonst könnten Erwachsene um einen Parkplatz kämpfen? Wussten Sie, dass es an der Universität von Kalifornien in Berkeley nur eine Möglichkeit gibt, einen freien Parkplatz auf dem Campus zu ergattern: Man muss einen Nobelpreis gewinnen? Warum haben manche Automatikautos den Gang »P«, obwohl das Auto nach dem Einschalten keinen Parkplatz findet? Wo vermuten Sie die folgenden Straßennamen in einem Ort zu finden: »Zum Laugele«, »Zum Grundel«, »Zum Gropper«, »Zum Saibling«, »Zum Salm«, »Zur Pfrille«, »Zur Trüsche«, »Zum Hecht«? Würden Sie den Ort an der Nordsee, am Steinhuder Meer, am Chiemsee oder am Bodensee suchen?

807 Fahren Sie noch oder gehen Sie schon? Warum fahren Sie nicht mit dem Auto? Warum nehmen Sie nicht den Bus? Warum haben Sie angefangen zu gehen? Wie viel Zeit sparen Sie, wenn Sie die Abkürzung wählen und nicht den Weg, den sich Stadtplaner und Landschaftsarchitekten ausgedacht haben? Warum brechen wir so oft mit den Bewegungsmustern, die uns Planer vorgeben? Warum haben wir eine Sehnsucht nach einer Zeit, die einfacher und konkreter war als die, in der wir als Erwachsene leben? Eine Sehnsucht nach dem kindlichen Blick für Details und der Fähigkeit, sich im Alltäglichen zu verlieren? Wie viel Zeit kann man sich nehmen, um einen Weg zurückzulegen? Wie langsam kann man sich durch den Tag bewegen? Wann wird langsames Gehen anstrengend? Was machen Sie auf dem Seitenstreifen der Autobahn? Sind Sie krank? Auf der Flucht? Haben Sie Beute vergraben und kommen jetzt zurück, um sie zu holen? Fragen Sie sich: Wie oft bin ich diesen Weg schon gegangen? Ist es wirklich ein Weg, den Sie gehen? Gehen Sie vielleicht auf einem Pfad, in einer Gasse, auf einem Trampelpfad oder auf einem Wunschpfad? Wäre vor fünfhundert Jahren jemand mit gesundem Menschenverstand auf die Idee gekommen, diesen Weg zu gehen? Führt er nicht genau dorthin zurück, wo man angefangen hat? Wozu ist das alles gut, wenn es nicht der Erholung dient? Woher sind Sie gekommen, welchen Weg sind Sie gegangen? War er trocken, nass, steil, flach, breit, schmal? Wo wollen Sie morgen hin? Welchen Weg werden Sie nehmen? Woher wissen Sie, dass es der richtige Weg ist? Haben die Berge, die Wellen und der Himmel keine andere Bedeutung als die, die wir ihnen bewusst geben, wenn wir sie als Symbol für unsere Gedanken verwenden? Fürchten Sie sich nie vor dem Unbekannten? Wollen Sie Ihr Ziel so schnell wie möglich erreichen? Oder lautet Ihre Frage: Wie komme ich am einfachsten ans Ziel? Können Sie Karten lesen? Haben Sie immer einen Kompass dabei? Lieben Sie Überraschungen? Würden Sie in einer fremden Gegend auf gut Glück losziehen? Gehen Sie weiter nach Westen oder sind Sie schon zu weit in diese Richtung gelaufen? Wenn es schon spät am Tag ist und die Schatten eher nach Norden zeigen, gehen Sie dann noch weiter? Wann wissen Sie mit Sicherheit, dass Sie sich verlaufen haben? Wenn im Wald ein Baum fällt und niemand hört es, hat er dann wirklich ein Geräusch gemacht? Achten Sie im Wald auf Geräusche? Orientieren Sie sich an ihnen? Achten Sie regelmäßig auf den Sonnenstand? Achten Sie auch auf Fußspuren? Was sagen Ihnen all die Spuren, die Tiere hinterlassen, die keinem Weg folgen, die planlos umherstreifen, die einem Impuls folgen oder an einem Ort nach Nahrung suchen, den sie nicht genau kennen? Welchen Weg würden Sie einschlagen, wenn Sie jetzt eine beliebige Richtung wählen könnten?

808 Was halten Sie für eine akzeptable Wirtschaftspolitik? Inflation oder Deflation? Unterscheidet sich der industrielle Komplex der Pharmaindustrie von dem der Automobilindustrie? Wie lange noch wird sich das Geschehen zwischen Politik, Ministerien und Lobbyisten weitgehend frei und unkontrolliert entwickeln? Bis was passiert? Bis das System oder Teile davon kollabieren? Werden Rechtsräume vergeben, für die es keine oder keine ausreichende Kontrolle gibt? Handelt es sich im Kern um Heilsversprechen, mit denen die Politik Probleme durch wissenschaftlichen Fortschritt lösen will? Ist das nicht ein Feld, das bisher den großen Weltreligionen vorbehalten war? Wo finden wir ähnliche Heilsversprechen? Gilt das auch für den Klimawandel, der immer wieder durch technische Innovationen gelöst werden soll? Stammen die Verheißungen aus zweitausend Jahre alten Büchern oder aus mathematisch und algorithmisch erzeugten Zukunftsperspektiven?

Soll der Staat nur das reibungslose Funktionieren des Marktes gewährleisten, wie es das neoliberale Paradigma vorsieht, oder gehen seine Aufgaben (weit) darüber hinaus? Soll der Staat den Markt aktiv begrenzen oder seine Ausdehnung verhindern? Führt mehr monetäre Gleichheit zu mehr Chancengleichheit? Ist es das Talent, der Fleiß, die Produktivität (oder alles drei), das die Grundlage des Verdienstes bildet? Verdient man sich einen Arbeitsplatz oder das damit verbundene Gehalt (oder beides)? Ist es für den Verdienst relevant, ob Unterschiede in Fleiß, Talent und Leistung das Ergebnis ungleicher sozialer Ausgangsbedingungen sind?

809 Verändert Technik die Gesellschaft? Welche Entwicklungen haben unsere Gesellschaft bereits nachhaltig verändert? Wie abhängig sind wir von Technologie geworden? Haben Sie in den letzten Jahren versucht, ein Problem per Telefon oder Online-Kundendienst zu lösen? Ist es Ihnen gelungen? Wollen Sie sich mit Ihrem Auto unterhalten: über das Ziel, neue Kochrezepte oder warum der Benzinpreis so hoch ist? Wie stark ist das Problem der Kategorisierung von Menschen in unserer Gesellschaft wirklich? Wurde es durch die Informationstechnologie verstärkt? Sollen wir die Kontrolle des Menschen durch die Maschine akzeptieren oder uns dagegen wehren? Mit welchen Argumenten wollen wir die Rechte des Menschen gegen die Logik der Maschine verteidigen? Welchen Einfluss haben »soziale Medien« auf den Einzelnen? Kann man jemanden im Internet überhaupt »fertig machen«? Was bringt Jugendliche dazu, viel Privates preiszugeben, um in der virtuellen Welt gut dazustehen? Wie real ist diese Realität? Zeigen die Bilder und kurzen Videoclips, die Influencer in den sozialen Medien präsentieren, ein realistisches Abbild der Wirklichkeit? Ist es moralisch vertretbar, ein minderwertiges Produkt zu bewerben, nur um das eigene Einkommen zu sichern? Ist es moralisch vertretbar, dass Marketingfirmen vor allem junge Menschen für diese Art der Vermarktung rekrutieren? Was ist davon zu halten, dass Unternehmen gezielt Schüler für ihre Werbezwecke missbrauchen? Sollen Jugendliche ihre digitalen Fähigkeiten für ein kleines Taschengeld einsetzen dürfen? Wiegt das Geld sowohl für die Marketingfirmen als auch für die Influencer schwerer als die Moral?

Dürfen Kommunikationsroboter Menschen in einer Unterhaltung täuschen, indem sie ihnen die Stimmen anderer Personen vorgaukeln? Ist es ethisch vertretbar, die Stimmen von Verstorbenen in einem Altersheim für einen Unterhaltungsroboter zu verwenden? Wie kann sichergestellt werden, dass die Daten, die ein Unterhaltungsroboter in Gesprächen sammelt, nicht für andere Zwecke verwendet werden? Wie kann verhindert werden, dass ein Chatbot Menschen zu leichtsinnigen oder gefährlichen Handlungen verleitet? Wie erklärt man Kindern, dass sie einen Deadbot trainieren? Sind langfristige psychische Schäden zu befürchten? Wie geht man mit fehlerhafter Technik um? Wie überwacht man Roboter, die Hand in Hand mit Menschen arbeiten? Was passiert, wenn nicht genügend Sicherheitspersonal zur Verfügung steht? Wie geht man mit einem großflächigen Stromausfall um?

Stimmt es, dass wir derzeit keinen durchschlagenden Produktivitätsfortschritt erleben wie bei der Einführung der Dampfmaschine, der Elektrizität, des PCs und des Internets? Sind die Produktivitätsfortschritte, die die künstliche Intelligenz bisher gebracht hat, eher bescheiden? Warum ist der volkswirtschaftliche Nutzen so gering? Wie kann Deutschland bei der Digitalisierung hinterherhinken und trotzdem eines der produktivsten Länder der Welt sein? Was passiert, wenn ein Minister die Wirtschaftspolitik eines Landes so gestaltet, als würde er ein Kinderbuch schreiben – mit viel Phantasie und ohne Bezug zur Realität? Landet er in einer Traumwelt und die Gesellschaft im Nirwana?

810 Ist eine Suchmaschine nur eine Suchmaschine? Oder ein Überwachungsunternehmen, das sich als Wissensdienstleister tarnt? Was macht ein Technologieunternehmen mit den gesammelten Such- und Antwortdaten? Nur Geld verdienen? Oder verfolgt es andere Ziele? Liegt im Besitz der Daten nicht auch eine besondere Macht? Bietet die künstliche Intelligenz (KI) eine gute Möglichkeit, mit den gesammelten Daten nicht nur Profit zu machen, sondern auch die Art der Datennutzung und den Kreis der Interessenten (KI+) zu erweitern? Für wen könnte das Material interessant sein? Auch für staatliche Institutionen? Wäre es denkbar, dass Tech-Konzerne die KI-Mythologie viel schlechter vermarkten könnten, wenn sie zugeben müssten, dass zehntausende von Arbeitern nötig sind, um die KI-Maschinen am Laufen zu halten, und dass diese Arbeiter, die clickworker, die eigentliche Intelligenz der Maschine sind und durch nichts ersetzt werden können? Stimmt die Behauptung, dass KI bald die meisten Arbeitsplätze ersetzen wird? Handelt es sich um einen groß angelegten Bluff, um die Angst der Arbeitnehmer zu schüren und die Arbeitsbedingungen sowie Kosten und Gewinne im Sinne der Unternehmen zu beeinflussen?

Wie oft haben Sie schon eine SMS erhalten, dass Ihr Freund oder die Person, die Ihnen das bestellte Essen bringt, »zehn Minuten entfernt« ist? Ist das möglich? Gibt es eine Möglichkeit festzustellen, wann jemand wirklich fast da ist, genauer gesagt zehn Minuten entfernt? Sind die meisten Menschen nicht eher zwanzig oder zweiundzwanzig Minuten entfernt? Ist die Welt nicht voller Probleme: globale Erwärmung, Inflation, Verkehr, ganz zu schweigen von den verrückten Alarmanlagen in den Wohnungen? Wäre es nicht schön, einen Detektor zu haben, der einem sagt, wann und wo alles in bester Ordnung ist?

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