Universelle Fragen
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211 Muss man ein Genie sein, um gut Schach zu spielen? Was braucht man, um Großmeister zu werden? Können Computerprogramme die menschliche Intuition beim Spielen übertreffen? Warum laufen Menschen? Fragen Sie sich, wie Sie Ihre Laufleistung verbessern können? Fühlen Sie sich besser, wenn Sie laufen? Kann ein Hase stolpern? Was bringt uns zum Lachen? Warum ist Komik so wichtig? Wie beeinflusst Komik unser Verhalten? Müssen wir davon ausgehen, dass so viele Worte gesprochen werden, so viele Worte verschwiegen werden? Was sieht man, wenn man aus dem Fenster schaut und gar nicht mehr sieht, was draußen ist, weil vor dem inneren Auge in endloser Folge ganz andere Bilder vorbeiziehen? Wie ist Verstehen möglich? Wie können wir uns mit dem Handeln anderer vertraut machen? Wie können wir verhindern, dass es uns unverständlich und damit fremd bleibt? Was geschieht im Selbstgespräch? Mit wem reden wir wirklich? Wie können wir wissen und sicher sein, dass Schweigen einerseits Ausdruck religiöser Gesinnung und andererseits Zeichen der Höflichkeit ist? Wie lange darf das Schweigen dauern, bis es unerträglich wird? Was hat ein deutscher Omnibus mit der Antike zu tun? Was ist der Unterschied zwischen Fußball und Stierkampf? Wie kann man mit Stil sterben? Warum ist Hirnforschung fragwürdig? Nur weil die meisten Menschen mit einer Sache einverstanden sind, heißt das, dass diese Menschen Recht haben? Wie wurde Che Guevara Chefökonom? Und wie poetisieren Friseure das Leben? Sind das Fragen, auf die Sie schon immer Antworten gesucht, aber nie gefunden haben? Erwarten Sie Antworten in einem Buch der Fragen oder eher in einem Buch der Antworten?

212 Kennen Sie die Elite der Naseweisen? Warum gab es früher Plastiktüten im Überfluss und heute nicht mehr? Gibt es eine Religion ohne Gott? Braucht es einen Gott im Leben? Was hat Gott getan, bevor er Himmel und Erde erschuf? Warum sehen wir nicht, was wir sehen? Muss man Gliederfüßer mögen? Gibt es Mengen ohne Ende? Warum ist uns das Hemd meist näher als der Rock oder die Hose? Sind Fruchtgeister flüssig? Kennen Sie die Kunst des Sackschneidens? Wie würde ein Wolf reagieren, wenn ein Lamm im Wolfspelz auftaucht? Warum braucht das Protokoll immer einen Chef? Wieso hat der Mensch nur zwei Beine? Warum kann jeder alles, aber keiner alles? Liegt darin die Vielfalt des Lebens: Berufe, Gewerbe, Künste, Fächer, Disziplinen? Oder Krieger und Priester, Jäger und Bauern, Medizinmänner und Erfinder, Politiker und Wähler, Staatsanwälte und Verteidiger, Frauen und Männer? Was tun Experten für das Expertentum? Wenn Sklaverei für ein freies Volk nicht in Frage kommt, wer soll dann für den Wohlstand des Landes sorgen? Müssen die Armen die Arbeit tun, die kein Reicher tun will? Warum werden diejenigen, die sich regelkonform verhalten, nicht wahrgenommen, während die Regelbrecher umso mehr auffallen? Sind Daten nicht mehr das neue Öl, sondern die neue Beute? Was halten Sie davon, dass sich große IT-Konzerne weltweit all Ihre persönlichen und beruflichen Informationen, Ihre kreativen und urheberrechtlich geschützten Werke, Ihre Fotos und sogar Ihre E-Mails – praktisch Ihren gesamten digitalen Fußabdruck – angeeignet haben, um damit eine kommerzielle künstliche Intelligenz aufzubauen? Ach, Sie wissen das noch nicht?

213 Kann man beurteilen, was nicht existiert? Überrascht es Sie, dass Geld ein Medium des Schenkens sein sollte, dass Religion ein Produkt der mündlichen oder schriftlichen Überlieferung ist, dass der Rechtsstaat nach der Logik der Rache funktioniert und dass der Liberalismus eine neue Philosophie des Lebens hervorgebracht hat? Warum glauben die Menschen, sie könnten einfach Geschichten erfinden und damit die Welt grundlegend verändern? Ist es nicht eine christliche Vorstellung, dass am Anfang das Wort steht, aus dem die Welt entsteht? Was aber, wenn das nur eine Geschichte ist und der Lauf der Geschichte in Wirklichkeit viel stärker von ganz anderen Faktoren bestimmt wird, wenn die Geschichten, die wir uns erzählen, selbst nur märchenhafte Erklärungen für die Erfahrungen sind, die wir oder unsere Vorfahren im Umgang mit bestimmten Techniken gemacht haben? Was ist wichtig: nicht was wir erzählen, sondern dass wir erzählen? Warum lehnen viele Menschen Technik generell ab und träumen von bäuerlicher Autonomie? Können Sie sich noch eine Welt vorstellen, in der die technischen Möglichkeiten eine flächendeckende und gerechte Versorgung mit Energie und Zugang zu Medien für alle Menschen ermöglichen? Wie kommt es, dass jemand, so unwahrscheinlich das auch sein mag, fast jeden Samstag sechs Richtige im Lotto hat? Glauben Sie an manipulierte Zufälle? Können wir in diesen Zeiten glücklich sein? Dürfen wir uns überhaupt noch freuen – oder sind wir vielleicht sogar dazu verpflichtet? Ist die Frage »Warum soll ich mein Gehirn anstrengen, wenn ich keine Ahnung habe, was das Ergebnis sein wird« eine berechtigte Frage?

214 Was denken? Was tun? Was glauben? Sind alle Wissens- und Denksysteme vor allem sich selbst verpflichtet, ihren Regeln, ihrer Art zu fragen, ihrer Art zu antworten? Sind sie, um mit Richard Rorty zu sprechen, in sich geschlossene Sprachspiele, die konkurrierend nebeneinander stehen? Sind es nicht im weitesten Sinne ideologische Systeme, die auf einen externen Ursprung verweisen, um sich unangreifbar zu machen? Wo ist der Ort, an dem sich alle unsere Gedanken befinden? Gibt es ein universelles Archiv? Löst sich das physische Leben im Metaphysischen auf? Sind wissenschaftliche Wahrheiten für den Gläubigen relevant? Leben wir in einer Zeit, in der die Menschen vom Autoritären fasziniert sind, sei es politisch, religiös, juristisch oder auch wissenschaftlich? Erlebt derjenige, der sich einer unbeeinflussbaren, unumstößlichen Autorität unterwirft, nicht eine ungeheure Entlastung? Entlastet er sich nicht vom eigenen Denken, vom eigenen Urteilen, aber auch davon, sich mit anderen, die anderen Autoritäten folgen, arrangieren zu müssen? Was schwebt über allem und bedingt alles, was wir denken und tun? Ist es die Wahrheit, das Gesetz, das Recht, die Autorität eines Gottes oder vielleicht die Menschenrechte? Auch wenn wir wissen, dass es ernst ist: Warum nehmen wir es nicht ernst? Wir kennen die Gefahren: Warum handeln wir trotzdem nicht? Gibt es etwas Verzweifeltes in unserem irdischen Leben? Brauchen wir große Katastrophen, um aufzuwachen? Brauchen wir neue Utopien? Sind neue Utopien zum Beispiel, Schwefel in die Atmosphäre zu blasen, um das Weltklima zu kühlen? Oder brauchen wir mehr denn je ein kritisches Denken, das ständig darauf achtet, wie die Dinge schief gehen können (G.W.F. Hegel)? Ist die Frage, was sich ändern muss, nicht bereits überflüssig geworden?

215 Was ist das Ziel des richtigen Lebens? Warum sollen, ja müssen wir richtig leben? Was soll es in uns bewirken? Warum machte Kaiserin Maria Theresia 1768 die »gründliche Erlernung ihrer Muttersprache« für alle künftigen Beamten zur Einstellungsvoraussetzung? Warum begann der Rat Johann Caspar Goethe 1771 sein Hausbuch (Liber domesticus) auf Deutsch zu schreiben, als sein Sohn Wolfgang gerade aus Straßburg zurückkehrte, wo er dreißig lateinische Thesen verteidigt hatte, um den Doktortitel zu erlangen? Wenn wir uns erlauben, nur das zu konsumieren, was wir selbst erschaffen, leben wir dann nicht in einem persönlichen Gefängnis von unendlicher Selbstreflexivität und Isolation? Wird die Krise zum Dauerzustand durch das allgegenwärtig gewordene Warten auf etwas Besseres, das so charakteristisch für die Moderne ist? Kommt Italien nicht mit der Moderne zurecht? Will es deshalb in einer konstruierten Vergangenheit leben? Was ist ein Toter? Ist ein Toter nichts anderes als eine verderbliche biologische Matrix? Ersetzt der Druck der Straße alle Argumente? Hat es die Vernunft dort schwer, wo die Angst regiert? Können wir das, was nicht mehr ist, mit dem verbinden, was noch nicht ist, durch das, was gegenwärtig ist? Wollen wir wirklich in einer Welt ohne Kämpfe, ohne Helden und ohne die Geschichten, die sie erzählen, leben? Warum zählt man die Kultur zur Unterhaltung und nicht zur Bildung? Und wenn wir immer noch Wunder wollen, welches größere Wunder könnte es geben als diese wunderbar geordnete, vielfältige Welt, die uns umgibt? Ist das jetzt Ironie? Warum enden Demokratien immer wieder in der Herrschaft der Wenigen? Hat die Menschheit ihre Vernunft verloren, oder hatten wir sie von Anfang an nicht? Warum sehen die Dinge besser aus, nachdem wir uns für sie entschieden haben? Wie viele Menschen braucht es, um die Technik menschlich erscheinen zu lassen? Sollte man nicht aus Prinzip alle Prinzipien ablehnen? Wo beginnt Meinungsfreiheit? Wo sollte sie enden?

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