Fragen zu Fragen und Antworten

Meine persönliche These in diesem Zusammenhang lautet: Die ideale Frage umfasst genau sieben Worte.
— Andreas Patrzek, Systemisches Fragen

Wenn Sie eine Stunde Zeit hätten, um ein Problem zu lösen, und Ihr Leben von der Lösung abhinge, würden Sie dann, wie Albert Einstein einmal sagte, die ersten 55 Minuten damit verbringen, die richtige Frage zu stellen, weil Sie, sobald Sie die richtige Frage kennen, das Problem in weniger als fünf Minuten lösen können?

Wer fragt? Wer antwortet? Wer darf fragen? Wer muss antworten? Wer fragt, antwortet nicht? Wer nicht antwortet, fragt? Wer antwortet, fragt nicht? Wer nicht fragt, antwortet? Wer antwortet, darf auch fragen? Wer weder fragt noch antwortet, tut was? Was sind das für Fragen?

a.Warum stellen wir Fragen? Fragen wir, weil wir etwas nicht wissen? Fragen wir, um etwas besser zu verstehen? Oder um etwas zu Fall zu bringen? Oder um unsere Überzeugungen zu verteidigen? Wenn wir etwas besser verstehen, haben wir dann die Antwort gefunden? Hängt die Antwort auch von der Frage und den Interessen desjenigen ab, der fragt? Ist es möglich, Antworten zu erhalten, ohne Fragen zu stellen? Wann ist eine Frage eine berechtigte Frage? Wann ist eine Frage keine Frage? Wann ist eine Frage so formuliert, dass es keinen Sinn macht, sie zu beantworten? Ist eine Frage, die sich selbst beantwortet, noch eine Frage? Wer oder was sind die fünf Feinde des Fragens? Kann Fragen auch Suchen bedeuten? Gehört das Fragen zur Disziplin der Logik? Oder in die Disziplin der Hermeneutik? Ist das Fragen eine Kunst? Wird der zum Künstler, der fragt? Kann auch das Antworten eine Kunst sein? Woran erkennen wir, dass wir nicht in eine Computersimulation hineinfragen, einen besonders lebhaften Traum haben oder jemand uns Halluzinogene in den Kaffee gemischt hat? Ist eine letzte Frage wirklich die letzte Frage? Wie können sich die Menschen mehr darauf konzentrieren, die richtige Frage zu stellen, bevor sie kopfüber auf die Antwort stürmen? Kann schon das Fragen einer Frage fraglich sein?

b.Was passiert, wenn die gestellte Frage in eine Richtung geht, unser Wissen aber in eine andere? Was bewirken harte Antworten auf weiche Fragen oder umgekehrt: weiche Antworten auf harte Fragen? Muss eine Antwort interpretiert werden oder eher die Frage, die gestellt wurde? Können öffentlich gestellte Fragen überhaupt beantwortet werden? Welche Frageform führt zu besseren Antworten: mündlich oder schriftlich? Sind Fragen nach dem Frage-Antwort-Schema erfolgreich? Oder haben rhetorisch und appellativ gestellte Fragen, wie sie Marc Aurel in seinen Selbstbetrachtungen formulierte, die besten Aussichten auf gute Antworten? Auf welche Fragen muss man mit einer Bekenntnisformel antworten? Machen theoretische Antworten auf praktische Fragen Sinn? Warum lieben es Historiker, auf einfache Fragen lange verwickelte Antworten zu geben? Lassen sich Fragen auch verplaudern? Woran erkennt man W-Fragen? Und woran Ja-Nein-Fragen? Wann ist eine Frage vollständig? Gibt es einen Maßstab für Vollständigkeit? Warum enthält eine Fragetypologie zweiundfünfzig Fragetypen, wenn doch meist nur eine Antwort erwartet wird? Welche Fragen sollten wir nicht stellen und nicht versuchen zu beantworten? Ist die Zahl der interessanten Fragen endlich oder nicht?

c.Hat der Frager einen Spielraum bei den Fragen? Hat der Antworter den gleichen Spielraum beim Antworten wie der Frager? Was passiert, wenn der Frager durch einen Computer ersetzt wird? Darf der Antworter dann falsch antworten? Wann ist der Antworter nicht verpflichtet, wahrheitsgemäß zu antworten? Kann es beim Fragen eine Pointe geben? Wann ist Fragen Therapie? Kann man hypothetisch fragen und hypothetisch antworten? Welcher Schlüssel öffnet eine geschlossene Frage? Gibt es geschlossene Antworten? Warum sind Warum-Fragen wichtig? Können Warum-Fragen diskriminieren? Haben Fragen immer Folgen – in beide Richtungen? Und Antworten? Kann man mit einer Antwort mehrere Fragen beantworten? Muss man auf einen Fragenmonolog antworten? Wann ist eine Frage eine gute Frage: Wenn sie präzise formuliert ist? Wenn sie Interesse am Gesprächspartner zeigt? Kann es auf eine Frage ganz verschiedene Antworten geben? Wie ist dann die Frage, wie sind die Antworten zu bewerten?

d.Können Fragen Spaß machen? Und Antworten? Können Fragen einen Perspektivenwechsel auslösen? Oder in die Irre führen? Gibt es Fragen (und Antworten), die gesellschaftlich tabuisiert sind? Warum sind bestimmte Fragen tabu, wenn sie auf Dauer Distanz und Misstrauen zwischen Menschen (zum Beispiel zwischen Politik und Bürgern) vergrößern? Macht es Sinn, eine Maschine zu entwickeln, die jede Frage richtig beantworten kann, auch diese? Bezeichnet eine Frage den Schlusspunkt, an dem man des Nachdenkens müde geworden ist? Wenn Nietzsches Zarathustra sagt: »Ein Versuchen und Fragen war all mein Gehen«, wissen wir dann immer genau, wohin uns das Fragen führt? ♦